Findet die Revolution im Essverhalten nicht statt?Wir wissen nicht, wie lange es noch dauern wird, bis Länder wie China, Indien und andere große asiatische Nationen den westlichen Wohlstand und das Gesundheitsniveau erreicht haben. Ist diese Situation erreicht, dann werden wir unsere Ernährung global umstellen müssen. Langfristig muss nämlich die Lebensmittelverknappung zur Abkehr von der tierabhängigen Nahrungsproduktion führen. Und damit zu einer Neubewertung von Genetik und Biotechnologie. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die Menschen in Westeuropa verhalten sich in ihrem Essverhalten erstaunlich konservativ, was auch den Trend zu regionalen Gerichten in Deutschland bestätigt. Die Studie "The New Eating Normalcy" über Ernährungstrends stellt vor, welche Schritte die Verbraucher auf dem Weg zu dieser neuen Ess-Normalität noch gehen werden. Essgewohnheiten sind ein zuverlässiges Trendbarometer. Ändert sich etwas an der Bedürfnislage der Menschen, lässt sich das gut an ihrem Essverhalten ablesen. So hat der Wunsch nach mehr Eigenzeit den Weg für "conveniente" Fertiggerichte bereitet. Die Sehnsucht nach Gesundheit und Wohlbefinden hat den Herstellern von Functional Food neue Absatzmärkte beschert. Snacks, Finger- und Drinkfood lassen sich ernährungstechnisch mit der wachsenden Mobilität der Menschen erklären. Die Studie zur Zukunft der Ernährung der Forscher am Schweizer Gottlieb Duttweiler Institut zeigt gesellschaftliche Trendentwicklungen auf, die ihren Niederschlag in veränderten Essgewohnheiten finden. 1. Supernatural: Die Grenzen zwischen natürlichen und künstlichen Lebensmitteln werden grösser, lösen sich aber langfristig auf. Eigentlich natürliche Verfahren und Zusatzstoffe werden den Lebensmitteln künstlich zugeführt. Über diesen Umweg des Super-Natural schwinden die Vorbehalte gegenüber dem Künstlichen. 2. Media Food: Das Lebensmittel wird zum Informationsprodukt. Produktdeklarationen, aber auch übersichtliche Verkaufspräsentationen werden vom informierten Kunden immer konsequenter nachgefragt. 3. Hightech-Food: Das Labor schreibt die Menüs von morgen. Lebnsmitteltechnologen entschlüsseln das Zusammenspiel von Eiweißen und Molekülen und erfinden neue Geschmackssensationen. 4. Gläserne Lebensmittel: Food wird transparent. Vom Ursprung bis zum verkaufsfertigen Produkt, der Verbraucher will Einsicht nehmen. 5. Ess-Ängste: Die Zahl der Konsumenten mit Food-Phobien wächst. Neue diagnostische Möglichkeiten führen zu einer Sensibilisierung und zu übertriebenen Ängsten der Konsumenten. 6. Neuer Individualisierungs-Schub: Die Möglichkeiten umfangreicher DNA-Analysen lässt den Ruf nach der personalisierten Nahrung laut werden, die prophylaktisch gegen bestimmte Störungen und Gesundheitsprobleme wirken kann. 7. Protein-Hype: Neue Protein-Quellen werden wichtiger. Pflanzen gehören zu den sinnvollsten Eiweißlieferanten, mit denen künftig der Hunger der Welt gestillt werden kann. 8. Heritage-Food: Authentizität und Mythen bestimmen die Food-Märkte von morgen. Emotionalität, Erlebnis und Lebensgefühl werden auf den rationalisierten Nahrungsmittelmärkten von morgen eine immer grössere Rolle spielen. 9. Gefühls-Gastronomie: Einkauf bedient den Verstand, Gastronomie den Bauch. Beim Einkauf von Lebensmitteln zählen Preis, Qualität und Gesundheit, beim Restaurantbesuch geht es hingegen um Emotionen und Genuss. Findet die Revolution nun statt? Nein, die Revolution findet nicht statt, denn die Konsumenten verhalten sich in der Ernährung zum großen Teil altmodisch und essen das, was sie schon immer gegessen haben. Zudem verhindern gigantische Forschungskosten auf Seiten der Hersteller den grossen Umbruch auf den Tellern. Warten wir es ab. Es wird Veränderungen geben, denn nur Veränderungen sorgen für die Entwicklung der Märkte. Wir wissen bereits, dass es Spitzenköche gibt, die sich monatelang mit Lebensmitteltechnologen in Labore zurückziehen, um neue Genußerlebnisse zu kreieren. Das ist Realität und wird die Foodszene beleben. |


